"Wir verstehen uns als Premiumpartner"
Vor rund einem Jahr haben sechs frei-gemeinnützige Einrichtungen der Alten- und der Behindertenhilfe in Frankfurt am Main den Verbund "Stichwort l Care" gegründet. Ziel war es, die Kräfte zu bündeln und so ambulante Versorgungsstrukturen zu stärken. Eine erste Bilanz zeigt, dass Verbundarbeit Zeit und Ausdauer erfordert, nicht alle Ziele gleich zu erreichen sind, aber die Partner in vielen Bereichen grundlegend voneinander profitieren.
Ausgangspunkt des im Frühjahr 2010 gegründeten Verbunds "Stichwort l Care" war die bereits seit Jahren bestehende gute Zusammenarbeit zwischen dem ambulanten Pflegedienst Kontakt e. V. und dem Hufeland-Haus, einem ebenfalls frei-gemeinnützigen, seit 1969 bestehenden Träger der stationären, teilstationären und ambulanten Altenhilfe im Frankfurter Osten. Leitungskräfte beider Einrichtungen nahmen vor rund zwei Jahren an einer Fortbildung teil, aus der sie eine grundlegende Erkenntnis zogen: Ambulante Pflegedienste müssen sich heute viel besser vernetzen, um langfristig im Markt erfolgreich zu sein. Bittere Erkenntnis war damals das Beispiel Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV). Eine Dozentin der Fortbildung machte am Beispiel SAPV klar, dass die Zersplitterung der Pflegedienste zugleich Kennzeichen deren Schwäche im Markt im Vergleich zu anderen Professionen und Akteuren sei. Diese schwächere Marktposition der Pflegedienste habe dazu geführt, dass die SAPV in Frankfurt quasi ohne die Pflegedienste stattfinde. "Das war für uns Antrieb, nach der Fortbildung einen Weg einzuschlagen, unsere Interessen zu bündeln", blickt Elvi Walther, PDL des Pflegedienstes Kontakt, zurück. Auch die Geschäftsführung des Hufeland- Hauses war offen für die engere Kooperation. Beide Partner schlossen einen Kooperationsvertrag, dem mit dem Bürgerinstitut e. V., CeBeeF e. V., KOMM e. V. und der Geriatrischen Klinik des St. KatharinenKrankenhauses vier weitere Einrichtungen beitraten.
Die Zielsetzung des Verbunds beschreibt Markus Förner, Geschäftsführer des Hufeland-Hauses, mit folgenden Worten: "Ziel ist es, eine langjährige gute Zusammenarbeit auch nach außen hin sichtbar zu machen. Wir wollen zeigen, dass es kein Problem darstellt, sich über Trägerstrukturen hinweg an der gemeinsamen Versorgung von Klienten zu einem sinnvollen Ganzen zusammenzutun." Das "Ganze" bedeutet hier nicht, dass die einzelnen Partner ihre Identitäten aufgeben. Im Gegenteil: Der Verbund tritt nicht als eigenständige Rechtsform auf; alle Partner schreiben weiterhin ihre eigenen Rechnungen. "Es ist auch geregelt, dass keine Geschäfte untereinander abgeschlossen werden. Es werden also z. B. keine Provisionen an die Geriatrische Klinik gezahlt, wenn von dieser Patienten übernommen werden", erklärt Markus Förner.
Die Angebote der Partner mitdenken
Allerdings begreifen sich die Einrichtungen von Stichwort | Care als Partner, die nun in der Beratung und Betreuung ihrer Klienten auf eine breitere Angebotspalette verweisen können – und das über Trägerstrukturen hinweg. "Wir verstehen uns durch die Bündelung der Angebote als eine Art Premiumpartnerschaft. Wir verpflichten uns freiwillig dazu, die Angebotspalette der anderen mitzudenken, wenn wir unsere Kundenberatungen durchführen", so Förner. Und das empfänden viele Kunden als fortschrittlich, ergänzt PDL Elvi Walther. Wenn sie auf das erste Jahr der Zusammenarbeit im Verbund zurückblickt, ist sie überzeugt, dass es richtig war, die Kräfte und Interessen zu bündeln. "Die Vernetzung gibt Sicherheit, man lernt viel voneinander, man kann auf die Partner verweisen – wir sind so ein Stück enger zusammengerückt, ohne Konkurrenzdenken – und das ist insgesamt ein großer Qualitätsgewinn, von dem natürlich auch unsere Kunden profitieren."
Profitieren wollten die Verbundpartner auch von einem Zugewinn an Kundennachfragen. Diese Zielsetzung habe sich aber bislang nicht in größerem Ausmaß erfüllt, sagt Markus Förner. "Dazu muss man anmerken, dass alle Verbundpartner ohnehin über eine sehr gute Auslastung verfügen. Aber trotzdem war es natürlich mit ein Ziel, auch mehr Anfragen zu erhalten - das ist aber bislang nicht der Fall."
Die Steuerungsgruppe trifft sich monatlich
Verbundarbeit kostet Zeit und erfordert immer wieder Abstimmungsbedarf. Einmal monatlich trifft sich die Steuerungsgruppe der Geschäftsführungen, um die Grundlagen der Verbundarbeit abzustimmen. "Dieser Turnus ist ausreichend, denn wir wollen es auch nicht überstrapazieren - der Nutzen soll für alle größer sein als der Aufwand, den man betreibt!" Bei diesen Treffen ist häufig die Außendarstellung, das Marketing ein Thema. "Wir haben festgestellt, dass wir alle nicht die großen Profis darin sind, uns perfekt zu vermarkten. Wir definieren uns stattdessen stark über die Qualität und die Ergebnisse unserer Arbeit." Gerade deshalb aber gelte es, an der Öffentlichkeitsarbeit und Werbung für die Leistungen des Verbunds stetig weiterzuarbeiten, sagt Förner. Doch soll es keine grundlegende Änderung der Außenkommunikation geben, auch der Internetauftritt des Verbunds sei bereits zufriedenstellend. "Allerdings wollen wir uns nun mehr darauf konzentrieren, Angebote einzelner Partner öffentlich in den Fokus zu rücken und diese als Aushängeschild für den gesamten Verbund zu benennen. Davon versprechen wir uns mehr als davon, das eine Meta-Projekt zu suchen, an dem alle Verbundpartner beteiligt sind", erklärt der Geschäftsführer des Hufeland-Hauses.
Und wie soll es mit dem Verbund weitergehen? Die Zusammenarbeit soll zunächst gefestigt werden, neue Projekte definiert und noch besser nach außen getragen werden, sagt Förner. Auch für Anfragen neuer Partner ist der Verbund prinzipiell offen. Wichtig ist den derzeitigen Partnern aber, dass sie sich als frei-gemeinnützige Träger nicht aus Gründen der Gewinnmaximierung, sondern zur gemeinsamen Verwirklichung ihrer Versorgungsziele zusammengeschlossen haben. "Das schließt momentan aus, dass auch private Träger dem Verbund beitreten – ich will aber für die Zukunft nichts ausschließen, sollte es künftig konkrete Anfragen auch privater Träger geben", sagt Förner. Denn in vielen Bereichen funktioniere die Zusammenarbeit mit privaten Einrichtungen auch heute schon sehr gut, sagt er.
Die Angebotspalette sinnvoll ergänzen
Verbundarbeit ist modern, Verbundarbeit sichert Pflegediensten eine starke Stellung im umkämpften Gesundheitsmarkt, sind Förner und Walther überzeugt. Natürlich binde Verbundarbeit auch Kraft und Ressourcen. Und für das Erreichen der Ziele brauche es "Geduld und Langmut", sagt Förner. Oft sei es besser, sich von zu hoch gesteckten Zielen erst mal zu verabschieden und etwas kleinere Brötchen zu backen – "dafür aber mit messbarem Erfolg"! Bei der heute anzutreffenden Fülle von Mitbewerbern hätten Pflegedienste es immer schwerer, nach außen darzustellen, "was das Besondere an einem selbst ist. Und gerade bei der Strategie, durch das Angebot überzeugen zu wollen, passt es da sehr gut, dass man sich dazu verpflichtet, im Rahmen eines Verbundes seine Angebotspalette zu ergänzen", rät Förner. "Das ist eine moderne Strategie, denn man muss ja nicht alles selbst anbieten! Wenn man verlässliche Partner hat, die auf dem gleichen Qualitätsniveau arbeiten wie man selbst, ist man gut beraten, mit diesen zusammenzuarbeiten."
Darren Klingbeil
Klartextanzeige aus: HÄUSLICHE PFLEGE | Mai 2011 |
Sie bündeln ihre Pflegekräfte
Klartextanzeige aus: FRANKFURTER NEUE PRESSE | 5. März 2010 |
Sechs Anbieter sozialer Dienstleistungen haben sich unter dem Namen «Stichwort Care» zum «Verbund für Altenhilfe, Behindertenhilfe und Geriatrie im Frankfurter Osten» zusammengeschlossen. Gestern hat sich «Stichwort Care» offiziell vorgestellt. Wir haben mit den Koordinatoren Markus Förner (Hufeland-Haus) und Stephan Schröter (Kontakt e. V.) über den neuen Verbund und die Zukunft der Pflege in Deutschland gesprochen.
Hand aufs Herz – haben Sie sich zu einem Verbund zusammengeschlossen, weil ihre Einrichtungen allein nicht zukunftsfähig wären?
MARKUS FÖRNER: Nein, das sicherlich nicht. Hinter der Entscheidung stehen keine wirtschaftlichen Zwänge, sondern praktische Überlegungen. Wir haben mitunter mit Menschen zu tun, die eine sehr komplexe Betreuung benötigen, die ein einzelner Anbieter allein nicht gewährleisten kann.
Wie sieht die Zusammenarbeit konkret aus?
STEPHAN SCHRÖTER: Die Kooperation hat natürlich viele verschiedene Facetten. Wir von «Kontakt» sind zum Beispiel auf ambulante Pflege in den eigenen vier Wänden spezialisiert. Wenn wir einen Klienten haben, dem es gut tun würde, mal rauszukommen und andere Menschen zu sehen, können wir ihm deshalb keinen Platz in der Tagespflege anbieten. Die hat dafür aber das Hufeland-Haus im Angebot. Dorthin können wir den Klienten dann weitervermitteln.
Geht es bei dem Verbund also darum, die eigenen Defizite auszugleichen?
FÖRNER: Von Defiziten wurde ich nicht sprechen. Es ist ganz einfach so, dass die Kooperationspartner verschiedene Angebote haben, die sich ergänzen. In dem Verbund bündeln wir unsere Kräfte. Wir ermöglichen es, mit einem einzigen Anruf auf die gesamte Angebotspalette zuzugreifen.
Ist es nicht schwierig, die Zusammenarbeit im Verbund zu organisieren?
SCHRÖTER: Natürlich steckt in der Gründung von «Stichwort Care» viel Arbeit. Die Idee ist im Herbst 2007 entstanden, seitdem haben wir Gespräche geführt, Kooperationsverträge geschlossen, Broschüren erarbeitet und eine Internetseite erstellt. Die Arbeit im Verbund fällt uns hingegen nicht schwer, weil wir praktisch schon seit Jahren kooperieren. Wir rücken jetzt einfach noch näher zusammen und machen unsere Kooperation öffentlich bekannt.
Die forcierte Zusammenarbeit ist für Sie doch bestimmt auch ein Mittel, sich gegen große Konkurrenten wie zum Beispiel den Frankfurter Verband zu behaupten . . .
FÖRNER: Kleinere Einrichtungen müssen sich immer darum bemühen, nicht in Vergessenheit zu geraten. Wenn in einem Krankenhaus die Entlassung eines pflegebedürftigen Patienten ansteht, ist es für die Mitarbeiter naheliegend, einen Anbieter wie den Frankfurter Verband, der über große stationäre Kapazitäten verfügt, anzurufen. Mit dem Verbund wollen wir uns in der Landschaft der Dienstleister, die natürlich auch von Konkurrenz geprägt ist, positionieren.
Warum spezialisieren Sie sich mit «Stichwort Care» auf den Frankfurter Osten?
SCHRÖTER: Die Koordinatoren des Verbunds – das Hufeland-Haus und «Kontakt» – sind ausschließlich in Stadtteilen östlich der Innenstadt tätig, so dass sich das ganz automatisch so ergeben hat.
FÖRNER: Abgesehen davon legen wir aber auch Wert auf einen starken, regionalen Bezug; etwa darauf, dass wir die Menschen und Strukturen der Stadtteile kennen, in denen wir tätig sind. Das unterscheidet uns eben von großen Dienstleistern, deren Einsatzbereiche viel größer sind.
Können Sie das Ziel des Verbunds in ein paar kurzen Sätzen zusammenfassen?
SCHRÖTER: Wir wollen Menschen, die alt, krank oder behindert sind, dabei helfen, selbstständig zu bleiben. Unsere Angebote fördern deshalb die eigenständige Lebensführung und das selbstbestimmte Leben in der eigenen Wohnung – auch dann, wenn die Lebenssituation schwierig ist.
In Zukunft wird es immer mehr ältere Menschen geben. Vor welche Herausforderungen stellt das die professionellen Dienstleister?
SCHRÖTER: Das ehrenamtliche und bürgerschaftliche Engagement wird immer wichtiger werden. Die professionellen Anbieter häuslicher Hilfe müssen sich überlegen, wie sie dieses Engagement sinnvoll nutzen und integrieren können.
FÖRNER: Wir müssen uns aber bewusst sein, dass wir mit ehrenamtlicher Unterstützung nicht alle Probleme lösen können. Es gibt Menschen, denen einfach nur gut ausgebildete Profis helfen können. Egal, ob mit ehrenamtlicher Hilfe oder ohne: Die Dienstleister müssen auch künftig dafür sorgen, dass die vorgeschriebenen Qualitätsstandards sichergestellt sind – im Sinne der Menschen, die sie betreuen.
Die Fragen stellte Christian Scheh | © 2010 Frankfurter Neue Presse
Klartextanzeige aus: FRANKFURTER RUNDSCHAU | 5. März 2010 | F11
Hilfen aus einer Hand
Im Hufeland-Haus hat sich der neue Verbund "Stichwort Care" gegründet
Von Susanne Schmidt-Lüer
Größere Einheiten bilden und sich vernetzen - dieses Zukunftsszenario gilt auch für Pflegedienste. Das Seckbacher Hufeland-Haus und "Kontakt", die freie Alten und Krankenpflege, initiieren deshalb im Frankfurter Osten einen neuen Verbund namens "StichwortCare". Er wirkt in der Alten- und Behindertenhilfe sowie in der Geriatrie.
Mit Sektempfang und Kabarett feierten der Club Behinderter und ihrer Freunde, Bürgerinstitut, die "Ambulanten Dienste Komm" und die Geriatrische Klinik des Sankt Katharinen-Krankenhauses am HufelandHaus, die dem Verbund ebenfalls angehören, am Donnerstagabend die Neugründung.
Wer Fragen rund um die Themen Pflege, Unterstützung im Haushalt oder zu psychosozialen Angeboten hat, kann sich bei einer der sechs Sozialeinrichtungen beraten und auf Wunsch auch versorgen lassen. Landen Bürger nicht gleich an der richtigen Stelle, müssen sie sich nicht mühsam weiter durchfragen, sondern erhalten einen Rückruf des zuständigen Verbundpartners.
Der Verbund, dessen Akteure schon seit längerem zusammenarbeiten, betreut "sehr viele Menschen in sehr schwierigen Situationen", sagt Markus Förner, der Geschäftsführer des Hufeland-Hauses. Er zählt chronisch psychisch Kranke dazu, Menschen, die jahrzehntelang suchtkrank sind, Vereinsamte und Verwahrloste, denen Alltagsstrategien fehlen, um sich um ihr eigenes Wohl zu kümmern. Förner nemt aber auch den Krankenhaus-Sozialdienst, der Ansprechpartner sucht, um einen Patienten in eine vernünftige Wohnumgebung entlassen zu können. Auch hier will der Verbund als kompetenter Ansprechparnier wirken: "Wir trauen es uns zu, weil wir es jetzt schon machen."
Auf einer Internet-Plattform sind die Angebote aller sechs Einrichtungen zu finden, neben Hilfsbedürftigen sollen auch Freunde, Nachbarn und Betreuer mit einbezogen werden."Eine gute Sache" nennt Martin Berner vom Bürgerinstitut das neue Angebot, denn bisher sei bemängelt worden, dass sich Bürger in den bestehenden Strukturen schwer zurecht finden, sie seien meist an die Sozialrathäuser verwiesen worden.
"Stichwort Care", der neue Verbund für den Osten, will die Strukturen weiter ausbauen und bei Bedarf auch an weitere Anbieter vermitteln.
-------------------------------------------------------
"STICHWORT-CARE" (Info-Kasten)
Der neue Verbund für Alten und Behindertenhilfe ist auf Fechenheim und Riederwald, Bergen-Enkheim, Seckbach, Bornheim, Nord und Ostend sowie die Altstadt bezogen.
www.stichwort-care.de
Die Beratungs und Vermittlungsstellen der Träger der Freien Wohlfahrtspflege gibt es seit 1996. Sie beraten und vermitteln ambulante Angebote und zählen rund 6000 Fälle pro Jahr. Für stationäre Einrichtungen ist seit 2007 die Zentrale Koordinierungsstelle im Jugend und Sozialamt zuständig. ssl

